Was ist das Gute an der NSA-Affäre? Mein Computer denkt. Er denkt wegen dem finnischen W-Lan ich sei eine Finnin. Damit ist alle Werbung auf Webseiten die ich besuche, in finnisch. Somit bin ich von einem Teil des Kapitalismus befreit.
Niemand ist hier um Finnisch zu lernen. Alle Erasmusstudenten die ich an meinem ersten Orientierungstag treffe, sagen, dass sie hier sind um ihr Englisch zu verbessern. Sogar meine Tutorin, Heli, rät mir davon ab ihre Sprache zu lernen. An dieser Universität gibt es für jeden einzelneN AustauschstudentIn eine finnische Ansprechperson, eine Tutorin, die dir dabei hilft, dein Leben hier auf die Reihe zu kriegen. Heli ist heute sogar mit mir und ihren finnischen Freunden auf die Erasmus-Karaoke-Party gegangen. Gemeinsam haben wir "juuuhuuu, aaahhaaa" von dem Lied Clocks von Coldplay in das Mikrofon gejodelt. Music makes the world go round!
Jeden Morgen radele ich also jetzt zur Universität, 6 Kilometer meine Fahrradstrecke. Mein rostiges Fahrrad klappert, meine Haare fliegen, ich summe finnischen Gothic-Pop vor mich hin und strampele zum Zentrum. Es geht mir wunderbar gut dabei. Diese paar Minuten radeln bringen meinen ganzen geplagten Kreislauf in Schwung. So sehr tanzen meine Blutmoleküle herum, dass ich heute erst um 2 Uhr morgens nach Hause kam. Durch die stille, finnische Nacht fahrend. Auf der Straße Hämankatu kommen mir vier finnische Männer entgegen. Alle vier sind nackt. Das überrascht mich so, dass ich mit dem Fahrrad einige veritable Schlangenlinien fahre. Ich habe noch nie nackte Männer auf einer Straße in der Großstadt getroffen. Später wird mir erzählt, dass diese Merkwürdigkeiten nur in der ersten Woche vor Universitätsbeginn stattfinden. Hoffen
Es gibt über 2000 AustauschstudentInnen hier, und 18 000 finnische StudentInnen. Die Menge der AustauschstudentInnen entspricht der Menge an Deutschen, die man hier trifft. Überall höre ich deutsche Wortfetzen, man hat sich schon gefunden, man klüngelt in kleinen Deutschgrüppchen. Wie den Kugeln in einem Computerspiel ausweichend, entferne ich mich von jedem Punkt, an dem ich Deutsch höre. Sie sind so langweilig! Wenn sie mich fragen, sage ich ihnen, dass ich Österreicherin bin.
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