Dementsprechend wollen sie sich nicht in Warteschlangen berühren. In jeder Post, im Geschäft oder anderen offiziellen Stellen muss man ein Zettelchen ziehen, mit einer Nummer drauf. Dann wartet man zivilisiert bis seine Nummer aufgerufen wird.
Und natürlich passt dies auch zu der Türklingelgeschichte. Es gibt in Finnland keine Klingel am Gebäude, nur direkt an der Wohnungstür. Da sehr viele Finnen - wie in Deutschland - in mehrstöckigen Häsuern wohnen, gilt die unterste Tür als unüberwindbares Hindernis. Entweder man wartet davor, bis jemand reingeht, oder man kennt die Telefonnummer desjenigen, der drin wohnt. Haben die Finnen panische Angst, das jemand an ihre Haustür klopft? Dass ein Braunbär hineintapst?
Dazu passt die Beschaffenheit der finnischen Türschlösser: ausnahmslos sind alle Türen so gestaltet, dass wenn sie einmal zufallen, man sie nur von innen wieder aufbekommt. Das stellt nicht nur ein Problem im Hörsaal da, auch ich habe mich schon zweimal "ausgeschlossen", weil die Tür hinter mir zufiel, als ich zum Frühstück in meiner WG-Küche ging. Mit Schlafanzug musste ich damals in die Stadt zum Wohnheimsbüro fahren, um mir den Ersatzschlüssel abzuholen. Als ich in der Schlange vor dem Büro wartete, sah ich einen großen Korb mit give-aways: neongelbe Reflektoren in Schlüsselform.
| Private property auf Ruissalo, einer der finnischen Inseln vor Turku |

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen